Sender: 3sat Sendung: nano Sendezeit: Dienstag, 17. April 2001, 18:30 Uhr Sendedauer: zirka 5 Minuten Sprecher: Computer-Virtuosen. Treffen der Meister in Fallingbostel. Moderator Stefan Schulze-Hausmann: Willkommen zu nano. Manche von Ihnen kennen vieleicht die Show, in der Meisterköche mit wenig Geld eine entsprechend begrenzte Menge Zutaten einkaufen, und daraus in kürzester Zeit ein anspruchsvolles zweigängiges Menü zaubern müssen. Auf die Computerfreaks, die sich über Ostern in Norddeutschland getroffen haben, kam eine ähnliche Aufgabe zu. Mit minimaler, oft veralteter Hardware und geringem Speicherplatz mußte unter Zeitdruck maximale Performance erzielt werden. nano zeigt die besten Demos und die Freaks. Sprecher: Ostern in Fallingbostel bei Hamburg. Die drei seltsamen Gestalten sind sogenannte Scener, Mitglieder einer ganz speziellen Computerszene. In der örtlichen Stadthalle findet zum sechsten Mal das Mekka-Symposium statt, die größte Demoscene-Party von Europa. Zwölfhundert Computerfreaks bauen hier einmal im Jahr ihre Rechner auf. Viele kennen sich aus dem Internet, oft aber nur über Pseudonyme, sogenannte Handle. An diesem Wochenende trifft man sich hier um in einer Reihe von Wettbewerben die besten Programmierer zu küren. Frank "Gandalf" Schliefer, Organisator: Die Leute die hier her kommen sind Freaks. So will ich sie betiteln. Sie sind sehr extrem in ihrer Ausprägung. Also wenn es hier ein Programmierer ist der programmiert wirklich hardcore zwölf Stunden mindestens am Tag. Sprecher: Für eintausend Rechner wurde mit Glasfaserleitungen ein gigantisches Netzwerk geschaffen. Um das System stabil zu halten, arbeitet ein Team von acht Leuten in Schichten rund um die Uhr. Die meisten Wettbewerbsteilnehmer sind auf das Netzwerk angewiesen. Programmierer, Grafiker und Musiker arbeiten im Team oft bis zur letzten Minute an den Wettbewerbsbeiträgen, sogenannten Demos. Meist sind es Hybriden aus Kurzfilm, abstrakter Animation und Musikvideo. Dirk "Chaos" Ohlerich, Demo-Veteran: Der Begriff Demo kommt von zeigen. Man will zeigen, was man mit seinem Computer machen kann. Wie man ihn programmieren kann, diese Effekte. Man will möglichst schöne, möglichst imposante Effekte mit dem Computer machen. Sprecher: Besonders beeindruckend sind solche Effekte wenn man weiß, dass die Programmierer in dieser Wettbewerbssparte nur vier Kilobyte an Speicherplatz zur Verfügung haben. Das entspricht etwa einer zweiseitigen Textdatei. Dirk "Chaos" Ohlerich: Das besondere an Demos ist, dass alles in Echtzeit passiert. In dem Moment, wo das Bild auf dem Monitor erscheint, wird es vom Computer berechnet. Sprecher: Neben der Speicherbeschränkung haben gewisse Programmierer beschlossen, auch mit veralteten Homecomputern, wie dem Comodore 64 oder hier, dem Amiga zu arbeiten. "Veraltet" scheint ein relativer Begriff, wenn man die Ergebnisse sieht. Trotzdem findet man diese Computer nur noch auf dem Flohmarkt. Mat ist einer der Unverbesserlichen, die ausschließlich mit Amiga arbeiten. In seinem Fall hat die Entscheidung für Amiga aber vor allem etwas mit Lebensstil zu tun. Eduart "Mat" Matas, Amiga-Scener: Genau gesagt mache ich nichts. Ich studiere nicht und ich arbeite nicht. Ich lebe seit fünf Jahren in meinem Auto, und dank der Spenden die ich bekomme kann ich mir Essen und Benzin leisten, um weiter von Demoparty zu Demoparty zu reisen. Sprecher: Die meisten Anwesenden sind aber durchaus arbeitswillig. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Ostern auch Headhunter in Fallingbostel tummeln. Die Wettbewerbe sind der ideale Marktplatz für eine Branche, in der gute Leute rar sind. Dag Frommhold, techn. Geschäftsführer Vulpine GmbH: Prinzipiell ist es mit Sicherheit schwierig in Deutschland derzeit gute Programmierer zu finden. Allerdings, wenn man weiß wo, dann ist es durchaus möglich, und Mekka & Symposium ist mit Sicherheit der richtige Ort dafür, gute Programmierer im Bereich 3D-Entwicklung zu finden. Sprecher: Viele Programmierer sind über die Demoszene an ihre Jobs gekommen. Trotzdem gibt es einen Unterschied zwischen dem Programmieren von Demos und professionellem Programmieren. Dirk "Chaos" Ohlerich: Das was hier im Hintergrund die ganze Zeit läuft, das sind 64 Kilobyte. Und die Musik ist auch noch drin, die man jetzt nicht hört. Es geht, es ist unglaublich viel Arbeit, kein professioneller Programmierer würde sich diese Arbeit machen, aber im Vergleich zu solchen Sachen wirkt manches Programm verschwenderisch. Sprecher: So bleibt nach dem Abbau der Rechner zwar viel Müll in der Stadthalle von Fallingbostel aber auch die Gewissheit, nur ein Minimum an Speicher verschwendet zu haben. Moderator Stefan Schulze-Hausmann: Die Beiträge der Gewinner können Sie in den nächsten Tagen herunterladen, die Adresse finden Sie auf unserer Homepage. Wenn Sie übrigens ISDN haben, werden Sie zum Teil nicht einmal eine Sekunde für einen Download von fünf Minuten Film benötigen. ------------------------------------------------------------------------------ Party archive @ ftp.scene.org